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Wacker, Kevin!
Foto: Felix Kleymann

Wacker, Kevin!

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Jennifer von Glahn

Vom Blitzlichtgewitter der Bundesliga zurück zu den Wurzeln: Kevin Großkreutz ist seit dieser Saison neuer Spieler beim SV Wacker Obercastrop 29/65 e. V. – im Interview erzählen er und Geschäftsführer Tim Eibold von der Entscheidung, dem Umgang mit Druck und Niederlagen sowie den gemeinsamen Zielen.

Vom BVB mit zweifachem Meistertitel, über die gewonnene Weltmeisterschaft zum SV Wacker Obercastrop in die Westfalenliga 2 – Kritiker bezeichnen das als Abstieg.
Du auch?

Kevin Großkreutz: Quatsch. Irgendwann beendet man die Profikarriere. Als kleiner Junge hab ich bei Kemminghausen auf Asche angefangen und dahin, zum Amateursport, wollte ich immer zurück. Deswegen bin ich hier. Kritiker – wir wissen ja alle, wer die sind – sind mir egal. Viele ehemalige Profis machen das so – Martin Harnik zum Beispiel. Das zeigt doch nur, dass wir wissen, wo wir herkommen. Viele Ex-Profis werden auch Trainer – ist das keine

Option für dich?

Ich war schonmal kurz Co- und Spielertrainer. Ich habe aber gemerkt: Ich will aufs Feld. Solange meine Knochen und meine Knie das mitmachen, will ich spielen. Wenn das nicht mehr geht, dann könnte ich
mir vorstellen Amateurtrainer zu werden.

"Ich will aufs Feld. Solange meine Knochen und meine Knie das mitmachen, will ich spielen."

Wie unterscheidet sich das Training zwischen erster Bundes- und zweiter Westfalenliga?

Beim BVB hatte ich den verrücktesten Trainer, den man sich vorstellen kann: Kloppo. Sein Training war knallhart, das würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr schaffen. Die Übungen unterscheiden sich nicht groß, aber oben ist viel mehr Tempo – auf dem Feld, im Zweikampf, im Kopf. Beim Training dementsprechend auch.

Wie sieht es mit Druck und Niederlagen aus?

Schwer zu sagen, ich hab hier noch kein Spiel verloren (lacht). Ich bin extrem ehrgeizig, ich will immer gewinnen – egal in welcher Liga oder auf welchem Platz. Ich kann nicht verlieren. Dadurch, dass hier allein die mediale Begleitung anders ist, knallt der Druck aber nicht so sehr rein. Mit Niederlagen umzugehen, hab ich beim Champions-League-Finale 2013 gelernt (lacht). Klar, man ist sauer und enttäuscht und fällt auch in ein kleines Loch. Aber da kommt man immer wieder raus. Es ist Sport, einer gewinnt, einer verliert. Gehört dazu. Hier will natürlich auch niemand verlieren. Wenn‘s doch mal passiert, will man es fürs nächste Mal doppelt so sehr gewinnen.

Wie kam es dazu, dass du als Dortmunder Urgestein nach Castrop gekommen bist?

Bei der Suche geht es, wie zuvor, um einen passenden Verein mit gemeinsamen Ambitionen und Werten. Im Umfeld Dortmund-Castrop-Herne war Wacker der Verein, der am besten passte.


Wie hoch ist der Erwartungsdruck für Verein und Mannschaft, wenn man einen Kevin Großkreutz ins Boot holt?

Tim Eibold: Der Name und seine Vita bringt eine Menge mit. Dadurch sind wir in aller Munde und werden genau beobachtet. Dieser Druck geht auch auf den Rest der Mannschaft über, weil jetzt alle erwarten, dass wir aufsteigen.

Kevin, wie wurdest du aufgenommen?

Ganz normal. Ich bin einer von den Jungs. Und ich fühle mich pudelwohl hier. Was kann der Ruhrpott besser als der Rest des Landes? Hier lebt auf jeden Fall noch der Fußball in all seiner Feierlichkeit. BVB, Schalke, RWE, Bochum – ich glaube, jeder Mensch hier spart für das Stadion und lebt seinen Verein. Das ist was Besonderes und das gibt es nirgendwo anders.

Was sind deine Ziele bei Wacker?

Ich will auf jeden Fall gerne länger hier Spielen. In den Jahren wünsche ich mir den Aufstieg in die Oberliga. Und, dass wir diesen ordentlich gemeinsam feiern.

Das Interview führte Karoline Jankowski

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