20 Jahre Freundschaft, Ska-Punk und Mayo-Eimer als Schlagzeug: Vertikal hat den Brillux-Radio-Wettbewerb gewonnen und stand Mitte Juni bei Rock am Ring.
Vom Gartenschuppen zur Festivalbühne: Bei Vertikal liegen zwischen den ersten Proben und Rock am Ring 20 Jahre Freundschaft, Familienleben, Proberaumdisziplin und jede Menge Offbeat. Aus den zwei Jungs von damals ist eine sechsköpfige Ska-Punk-Band geworden, die am Ring ihr bislang lautestes Kapitel geschrieben hat.
Töle (Sänger und Gitarre), Fuldner (Drums), Joni (Posaune), Pax (Bass), Bobby (Trompete) und Dan (Gitarre) stehen heute für einen Sound, der nicht lange fragt, ob jemand tanzen möchte. Vertikal mischt Punkrock mit Ska, schiebt Bläser nach vorn und ist dabei nahbar, laut und ruhrpottmäßig direkt. Mitte Juni standen sie damit dort, wo sich viele Musiker hinträumen. „Der Ring ist einfach eine Institution. Da zu spielen ist anders als alles, was wir je gemacht haben“, meint Töle.
Improvisiert. Gewachsen. Geblieben.
Dass die Band heute ganze Säle zum Tanzen bringt, konnte 2006 noch niemand ahnen, denn im ersten Probeschuppen fehlte es noch an vielem. Vor allem einem richtigen Schlagzeug. „Wir haben die Deckel von den Mayonnaiseeimern als Becken genommen und auf den Eimern getrommelt“, erzählt Fuldner lachend.
Dieses Improvisationstalent zieht sich durch die Bandgeschichte. Wenn etwas fehlt, wird improvisiert. Wenn es schwierig wird, macht man weiter. Und wenn ein Auftritt bei Rock am Ring winkt, wird kurzerhand ein Enrique-Iglesias-Cover im Ska-Punk-Gewand produziert.
Aus der seicht-schnulzigen Ballade „Hero“ wurde ein Ska-Punk-Cover mit ordentlich Wumms. Moshpit statt Mitschunkeln. Danach begann der zweite Teil des Wettbewerbs: Stimmen sammeln. Also wurde geteilt, weitergeleitet und mobilisiert, was das Dorstener Netzwerk hergab: Familie, Freunde, andere Bands und Fans machten aus dem Voting eine Ruhrpott-Kampagne.
Am Ende setzte sich Vertikal durch. „Es ist Wahnsinn, vor allem wenn man bedenkt, dass wir gegen Bands mit viel mehr Reichweite angetreten sind“, gibt Dan zu bedenken.
Dass Vertikal heute längst mehr ist als die Jungs aus dem Proberaum, zeigt sich auch abseits der Bühne. In den vier Wochen zwischen Verkündung und Auftritt wurden zwei Bandmitglieder Vater. Zwischen Windeln, Jobs und Festivalplanung muss trotzdem alles funktionieren. Das Projekt hat Alltag und Erwachsenwerden in all den Jahren überstanden. „Kommunikation ist alles“, meint Dan. Gerade weil heute nicht mehr einfach jeder Sonntag frei ist. Ihr Geheimtipp? „Die Abstimmfunktion auf WhatsApp“, grinst Pax.
Dass Vertikal beim Voting so viel Rückhalt bekam, kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren ist die Band in der Region unterwegs, spielt sich durch kleine Shows, sammelt Wegbegleiter und bleibt dabei nahbar. Auch zum Clubraum der Sparkasse Vest besteht eine lange Verbindung: Schon in der Anfangsphase waren sie dabei und gewannen in der ersten Saison den Clubraum-Contest im Hagenbusch in Marl. Von dort aus ging es weiter durch Proberäume, Clubs und Festivals und schließlich zu Rock am Ring.
Für Vertikal war der Auftritt kein plötzliches Wunder, sondern der lauteste Zwischenstand einer langen Reise: 20 Jahre nach den Mayo-Eimern standen sie auf einer der bekanntesten Festivalbühnen Deutschlands. Mit jeder Menge Rückenwind – und einem professionellen Schlagzeug.