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Das fehlende Puzzlestück
Foto: Marco Stepniak

Das fehlende Puzzlestück

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Laura Tirier-Hontoy

Mit dem Café Anneliese hat Pia Kötting in Dorsten-Hardt einen Ort geschaffen, der nach Zuhause schmeckt: gemütlich, regional, liebevoll – und mit Kuchen wie bei Oma.

Manche Orte wirken, als hätten sie nur darauf gewartet, dass jemand die Tür öffnet, den Kaffee aufsetzt und ihnen neues Leben einhaucht. Das Café Anneliese ist so ein Ort. Erst seit rund einem halben Jahr geöffnet, fühlt es sich jetzt schon an wie ein fester Bestandteil des Stadtteils. Ein Treffpunkt, der lange gefehlt hat.

Inhaberin Pia Kötting hatte ursprünglich gar nicht geplant, ein Café zu eröffnen. Die gelernte Einzelhandelskauffrau führte es über Umwege hierher. Eigentlich träumte sie von einem Foodtruck, doch dann erzählten Freunde von dem leerstehenden Café an der Fährstraße. Innerhalb von nur acht Wochen wurde renoviert, geputzt, verlegt, gestrichen und aufgebaut, alles in Eigenregie, mit Unterstützung von Freunden und Familie. „Ohne meine Leute wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Kötting. Wenn man sich im Laden umschaut, spürt man das Herzblut, das hier reingeflossen ist.

Altes neu geliebt

Der besondere Charme des Cafés entsteht nicht durch ein fertiges Einrichtungskonzept von der Stange, sondern durch Fundstücke. Viele Möbel und Deko-Elemente stammen aus Haushaltsauflösungen, von Kleinanzeigen oder aus Familienbesitz. Alte Stühle, Tortenplatten, Porzellan, Besteck – Dinge, die andernorts vielleicht aussortiert worden wären, bekommen hier eine neue Bühne.

23.04.2026
Dorsten Cafe Anneliese von Pia Kötting 
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Pia Kötting in ihrem Café Anneliese: Viele
Möbel und Details hat sie selbst gesammelt, renoviert und mit neuem Leben gefüllt

Dabei ist das Ganze nicht nostalgisch im verstaubten Sinne, sondern verbindet alten Charme mit moderner Klarheit. Die Second-Hand-Möbel geben dem Raum Charakter, ohne ihn mit Kitsch zu überladen. „Ich möchte, dass die Leute hier nicht einfach sitzen, sondern Platz nehmen“, meint Kötting. An einem Ort, der bewusst nicht austauschbar oder schnelllebig sein will.

Bewusst war auch die Namensgebung. Anneliese ist der Name von Köttings Großmutter, die früher eine Pommesbude betrieben hat. Ihre Enkelin führt die Tradition jetzt auf eigene Weise fort. „Meine Oma war die Herzhafte, ich bin die Süße“, sagt Kötting mit einem Grinsen.

Bei Oma schmeckt’s am besten

Auf der Karte stehen Frühstück, Kaffee und Kuchen. Die Kuchen werden täglich frisch gebacken, oft spontan, je nach Saison, Lust und Rezeptidee. Mal kommt die Inspiration aus alten Familienrezepten, mal aus dem Internet, mal bringen Gäste ihre Lieblingsrezepte mit. Nur der Käsekuchen ist Pflichtprogramm.

Bei den Produkten setzt das Café auf regionale Partner. Die Eier kommen vom Sonnenhof Scholten, Aufschnitt vom Bauern Bussmann aus Lembeck, Brötchen von Spangemacher. Kötting kennt viele der Betriebe privat, weiß, wie dort gearbeitet wird, und möchte Familienunternehmen aus der Region unterstützen.

Dass ihr Konzept aufgeht, zeigt sich an guten Bewertungen, an Gästen, die teils von weit anreisen, um hier zu essen, an Bücherclubs und Stammtischen, die hier bereits ihre regelmäßigen Treffen abhalten, und an der Herzlichkeit, mit der das Café von der Nachbarschaft aufgenommen wurde.

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